Durstlöscher seit 50 Jahren

Zeitungsartikel Bergedorfer Zeitung

Von Kim Nadine Müller

Geesthacht. Wen in den 50erJahren der Durst überkam, der steuerte das Geschäft von Jürgen Quandt an. Egal, ob Bier oder Brause – hier bekam der Geesthachter den passenden Durstlöscher gegen die trockene Kehle. Auch auf dem Bergedorfer Wochenmarkt war der Kaufmann mit einem Getränkestand präsent. Doch Quandt war ein Geschäftsmann und expandierte. Vor genau 50 Jahren gründete er im Privathaus der Familie, Am Schleusenkanal 14, den Getränkegroßhandel Quandt. Bis heute ist das Unternehmen dort ansässig, auch wenn von dem einstigen Wohnhaus nichts mehr zu erkennen ist. Mittlerweile ist Quandt eine hundertprozentige Tochter des Brauereikonzerns Carlsberg, beschäftigt knapp 90 Mitarbeiter und beliefert mit 25 Lkw mehr als 400 Kunden in Hamburg und Umgebung. 1400 verschiedene Getränkesorten werden von Geesthacht aus an Supermärkte und freie Getränkeabholmärkte geliefert.

Wie viel sich in 50 Jahren Firmengeschichte in der Branche verändert hat, weiß Geschäftsführer Sven Heiser zu berichten. „Unserer Hauptkompetenz ist das Bier, damals wie heute.“ Vor 30 Jahren tranken die Menschen Bier aus der Region. „In Hamburg trank man Hamburg“, sagt Heiser. Vorreiter allerdings seien Kulmbach und Dortmund gewesen, mit Marken wie Kulmbacher Reichel oder DAB, kurz für Dortmunder Actien-Brauerei. Keiner habe damals an Marken wie Krombacher, Veltins oder Warsteiner gedacht. Genauso waren die Gebinde-Varianten, also die Art und Größe der Bierkisten übersichtlich: „Es gab den sogenannten OchsenblutKasten, ganz in rot und ohne Werbeaufdruck, in drei Grö- ßen, 24-mal 0,33 Liter, 20-mal 0,5 Liter oder 30-mal 0,33 Liter“, erinnert sich Heiser.

Heute gebe es unzählige verschiedene Kästen, und die Fahrer müssten eine Schulung machen, um die verschiedenen Leergut-Werte zu unterscheiden. Vor 30 Jahren tranken die Deutschen auch noch deutlich mehr Bier, um die 144 Liter pro Kopf und Jahr, heute sind es noch 107 Liter. „Tschechen, Italiener und die Iren trinken heute mehr Bier als wir.“

Die ersten Veränderungen in dieser Hinsicht hätten sich vor 20 Jahren abgezeichnet: „Mit König Pilsener wurde zum ersten Mal ein Bier bewusst national distribuiert und beworben.“ Außerdem gaben die Werbefachleute diesem Bier ein anderes Image. „KöPi sollte das Bier für die besonderen Momente sein.“ Ein Erfolgsmodell, denn zum ersten Mal habe eine Einzelmarke 4,5 Millionen Hektoliter Bier im Jahr verkauft. Warsteiner zog in den 90er-Jahren nach, war sogar noch erfolgreicher. „Der Geschmack ver

 Sven Heiser ist Geschäftsführer bei Quandt Getränke   Foto: Müller

Sven Heiser ist Geschäftsführer bei Quandt Getränke

Foto: Müller

 

änderte sich, Biere sollten milder sein, deshalb wurde Hopfenanteil verringert.“ Heute sei Krombacher die stärkste Einzelmarke.

„Die großen Braukonzerne – wie Carlsberg – sind mit ihrer Produktvielfalt sehr wichtig.“ Auf der anderen Seite hat Heiser aber auch einen weiteren Trend festgestellt: „Vorbild für die nächste Generation sind Biere wie Augustiner, die bewusst auf Wachstum verzichten.“ Craft-Beer aus sogenannten Biermanufakturen, oder Mikrobrauereien mit starkem regionalem Bezug und auch wieder herber gehopft, sprechen heute junge Menschen an.

Quandt-Geschäftsführer Sven Heiser ist froh über diesen Trend, der wieder mehr auf die Wertigkeit von Lebensmitteln setzt. Gut für den Getränkefachhandel sei außerdem, dass sich Einweg im Bierbereich nicht durchgesetzt habe. Denn Getränke in Einwegflaschen kaufen Märkte oft direkt vom Produzenten und nicht über einen Zwischenhändler. „Trotzdem ist der Markt umkämpft, und um zu überleben, darf man sich vor neuen Produkten nicht sperren und muss Kostenführer sein“, weiß der Geschäftsmann.

Ihr 50. Jubiläum hat die Firma im März mit 250 Kunden und Handelspartnern in der MagnusHall in Hamburg gefeiert. Bei einer Spendensammlung für den Geesthachter Verein „Wohnen nach Wunsch“, der sich für Patienten im Wachkoma einsetzt, kamen dabei 1830 Euro zusammen. Quandt rundete den Betrag auf 3500 Euro auf. Von dem Geld kann die Vereinsgründerin Annelie Keckstein zum Beispiel Ferienfahrten organisieren.